Literatur-Empfehlungen
   
  Inzwischen habe ich schon so viele Bücher in der Hand gehabt, dass ich das eine oder andere gute Buch empfehlen möchte.
   

Ratgeber für das Schreiben und den Unterricht,
Sprachspielbücher

Sol Stein:

Über das Schreiben

Es ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber wer sich umfassende Tips eines Profis holen möchte, sollte zu Sol Steins "Über das Schreiben" (1997 bei Zweitausendeins erschinen) greifen.

Gleich am Anfang erklärt er, was den Kern einer gut geschriebenen Geschichte ausmachen, nämlich ein Konflikt und glaubwürdig gestrickte Figuren. Natürlich zeigt er auch konkret, wie sich Konflikt und Figuren konstruieren lassen.
Darüber hinaus verrät er, wie sich eine Story schnell und spannend erzählen lässt, worauf es beim Schreiben von Dialogen ankommt und gibt sehr hilfreiche Tips für das Redigieren von Geschichten.
Die Anweisungen lassen sich schnell und einfach umsetzen und machen richtig Lust aufs Schreiben.
Grundsätzlich achtet Stein darauf, dass ein Text, egal ob Sachtext, Lyrik oder Prosa, aussagekräftige Bildern und gut sitzende Stilmittel verwendet.
Durch die vielen guten Beispiele lernt man beim Lesen auch sehr schnell mit. Auch für das Redigieren von Texten lassen sich die Hinweise gut einbringen und wer gar keine Lust auf das Schreiben bekommt, der wird zumindest besser verstehen, warum manche Thriller spannender sind als andere.

Allerdings hat das Buch auch so seine Tücken. So ging mir Steins Unterscheidung von Trivialliteratur und "hoher" Literatur schon auf den ersten Seiten auf die Nerven, weil sie beim Schreiben nicht hilfreich ist und vor allem: wer ist Stein, dass er die Normen festsetzt?
Das sollte wohl jede Leserin mit sich selbst ausmachen.
Außerdem knarzt es gehörig im Gebälk, wenn Stein über die Stimme "des Autors" spricht, die man auf gar keinen Fall im Text hören soll, weil sie das Leseerlebnis stört. Dieses Dogma vom unauffälligen "Autor" passt nicht gut zur deutschsprachigen Literatur, in der einige Erzähler gekonnt ihren Text kommentieren und die Illusion absichtlich zerstören. Warum auch nicht?

Erzähltheoretisch hat sich in der Forschung seit 1995 auch so einiges getan, und als Stein lässig vom "auktorialen Autor", dem "Ich-Autor" und der "Dritten Person" schrieb, fiel mir vor Schreck fast das Buch aus der Hand. In diesen Punkten bedarf es dringend einer Bearbeitung!
Denn erstens schreibt es sich leichter, wenn man einen Erzähler für den Mist verantwortlich macht, den man gerade tippt, und nicht selbst künstlerisch haftet. Warum die Anglistik den Schnitt zwischen Autor und Erzähler nicht schafft, ist mir schleierhaft.
Zweitens ist dieses Konzept durch einige stimmigere Modelle abgelöst worden, die die Bandbreite des Erzählens in der modernen Literatur besser abbilden. Was die Theorie angeht, sollte man Stein einfach reden lassen und aktuelle Fachliteratur aufschlagen.

Insgesamt ist das Buch aber ein guter Ratgeber beim Schreiben und Lektorieren. Wer sich nicht jedes von Steins Verdikten zu eigen macht, seine Tips aber beherzt anwendet, kann tatsächlich besser, bildhafter, spannender schreiben!

 

 

Bettina Mosler und Gerd Herholz:

Die Musenkussmischmaschine

128 Schreibspiele für Schulen und Schreibwerkstätten
Erschienen 1992 beim Verlag Neue Deutsche Schule

Dieser Klassiker ist unglaublich hilfreich:
Er listet etliche alte und neue Schreibspiele und -aufgaben auf.
Er ordnet sie im Index mehrfach unter Freies Schreiben (Schreibimpulse und -spiele), Poetische Grundfertigkeiten (Methoden, Genres und literarische Formen) und Literarische Geselligkeit (Spiele, Spiele, Spiele).
Er stellt jede Übung auf einer eigenen Seite übersichtlich und kurz dar.

Das Buch ist geeignet für Kursleiterinnen, die bereits eigene Erfahrung haben und neue Anregungen suchen. Es führt nicht ins Kreative Schreiben ein, sondern listet übersichtlich und vielfältig Übungen auf.

 

 

Silke Heimes:

Regenbogenbandwurmhüpfer

und

Klaus W. Vopel:

Schreibwerkstatt 1 und 2

Wer unvermutet und plötzlich vor der (selbst gewählten) Aufgabe steht, Kinder zum Kreativen Schreiben anzuregen, ist gut beraten mit obenstehenden Bänden. Beide sind sehr individuelle Ratgeber von erfahrenen Lehrpersonen, die ihre erfolgreichsten Schreibanlässe wiedergeben. Vopel legt seinen Fokus auf das individuelle Erleben und Schreiben und bietet viele Gedankenreisen zum Vorlesen, Heimes hat ihre Übungen vielfältig zusammengestellt und bietet neben ausgefallenen Schreibaufträgen zu verschiedenen Themen und Genres auch einige klassische Schreibspiele. Beide Werke beschreiben die Aufgabe prägnant und nachvollziehbar, geben Hinweise zum Lernziel und zitieren dann einen Schülerinnentext als Beispiel, das Mut macht, die Aufgabe zu stellen.

Ich selbst habe viele meiner Ideen in diesen Büchern wiedergefunden - ich nehme das als Bestätigung und verwende die Bücher eher selten als bunte Fundgrube.

 

 

Marion Gay:

Türen zur Fantasie

Kreatives Schreiben im Unterricht mit 100 Schreispielen.
Erschienen 2008 und 2012 beim Autorenhaus-Verlag Berlin.

Etwas konkreter und wesentlich ausgefallener als Heimes und Vopel präsentiert Gay ihre Anregungen. So listet sie die Altersgruppe und die veranschlagte Zeit auf, Hinweise, die zumindest ich immer dankbar lese.
Außerdem sind ihre Ideen unglaublich kreativ und witzig und ich fand hier einiges, auf das ich nie im Leben gekommen wäre, wie zum Beispiel: "Und dann fiel noch das Marmeladenbrot herunter", eine Aufgabe, bei der es darum geht, sich aberwitzige und unmögliche Ausreden auszudenken. Das kam als Zwischendurchaufgabe in der 6. Klasse gut an!

 

 

Tonia Wiatrowski:

Mach dein eigenes Buch!

Ideen finden Zeichnen Schreiben Basteln.
Erschienen 2014 bei Edition Michael Fischer

Dieses Buch richtet sich eigentlich direkt an Kinder ab 6 Jahre. Eigentlich. Denn auch ich als Kursleiterin, Bastelfreundin und Mutter finde dieses Buch großartig!

Mit kindlichen, frischen Illustrationen und gut nachvollziehbaren Anleitungen findet man hier verschiedene Anleitungen zum Büchermachen. Dabei geht es um diverse Bindetechniken, aber auch das Malen von Figuren, Techniken zum Gestalten und das Erzählen von Geschichten.

Wiatrowski stellte einige Buchprojekte vor, deren Thema passend zur Buchform ausgewählt ist, die aber natürlich auch frei kombiniert werden können.

Mit den Anleitungen können Kinder selbständig arbeiten, oder aber: man lässt sich davon inspirieren für Gruppenprojekte. Ziel des Buches ist es, junge Kinder dazu anzuregen, selbst Kunst zu machen und selbst Literatur zu präsentieren. Sehr gut!

 

 

Günther Waldmann:

Produktiver Umgang mit Lyrik

Eine systematische Einführung in die Lyrik, ihre produktive Erfahrung und ihr Schreiben
Erstmals erschienen 1988, 13. Auflage 2013 beim Schneider-Verlag Hohengehren

Waldmann hat in seiner Praxis als Lehrer viele Übungen entwickelt, die es jungen und älteren Menschen ermöglichen, Lyrik kennenzulernen und besser zu verstehen: durch Nachmachen und Selbermachen. Er möchte Lyrik nicht totinterpretieren, sondern ihre Prinzipien entschlüsseln und dann zur Produktion auffordern. Das Buch eignet sich daher gleichermaßen für den Deutschunterricht der Ober- und Mittelstufe, der ein bisschen aufgelockert werden soll, als auch für alle Altersgruppen beim Kreativen Schreiben.

Waldmann liefert etliche alte und neue Schreibspiele und -übungen. Jede Übung kommt mit Anleitung, Originaltext und Variationen aus dem Unterricht, Lernzielen und ist eingebunden in das Gesamtwerk. So kann man einerseits querlesen, es empfiehlt sich aber, Waldmanns Ansatz kennenzulernen und das gesamte Buch zu lesen. Gerade für poetisches Basiswissen wird man hier fündig und hat die Chance, Schülerinnen und Schüler unbemerkt mit Grundlagen vertraut zu machen. Huch, Lyrikunterricht kann Spaß machen!

 

Bücher, die sich direkt an Kinder und Jugendliche wenden

Hansgeorg Stengel:

Die Wortspielwiese

Allerhand Wort- und Sprachspielereien sowie dazu passende Illustrationen
Erschienen 1982 im Kinderbuchverlag Berlin

Wer schon lange Kreatives Schreiben unterrichtet und sich besonders für ältere Sprachspielereien interessiert, findet hier viele Klassiker. Anagramme, Besuchskartenrätsel, Silbenrätsel, Teekesselchen und viele mehr werden übersichtlich und anschaulich vorgestellt. Herausragend sind die Illustrationen, die jedem Wort einen besonderen Charakter verleihen. Sie eignen sich auch gut, um unabhängig von der Sprachspielerei über Typographie oder Bildgedichte zu sprechen und sich inspirieren zu lassen.

 

 

Franz Fühmann:

Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm zu Babel

Ein Spielbuch in Sachen Sprache / Ein Sachbuch der Sprachspiele / Ein Sprachbuch voll Spielsachen
Erstmalig erschienen 1978 im Kinderbuchverlag Berlin, seitdem stetig neuaufgelegt.

Wer DEN Klassiker der Sprachspielerei noch nicht besitzt, sollte ihn sich zulegen.
Zum Einen ist es eine schöne Lektüre für einen verregneten Ferientag, denn die Sprachspiele sind in eine Rahmengeschichte eingebaut. Diese Geschichte eignet sich nur bedingt zum direkten Vorlesen. Sie ist zwar anschaulich geschrieben, aufgrund der starken Bezüge zum DDR-Alltag der 70er Jahre aber für Kinder nicht ohne Vorbildung oder Interesse für DDR-Geschichte verständlich.

Die Spiele allerdings genau wie die Illustrationen von Egbert Herfurth und die kleinen Geschichten sind zeitlos. Die übersichtliche Einteilung der Kapitel eignet sich perfekt, um Spiele herauszusuchen und in der Schreibgruppe zu bearbeiten. Ich schlage das Buch gern zwischendurch auf, um mich inspirieren zu lassen, besonders, wenn ich nach althergebrachten Schreibspielen suche. Der Fokus der Spiele liegt auf dem sensiblen Umgang mit Wörtern und Buchstaben.

Zuerst gelesen und geliebt habe ich das Buch übrigens als Kind.

 

 

Antje von Stemm:

Die Pop-Up-Werkstatt für Kinder

und

Ab die Post!

Wie du Briefe schreibst, Überraschungspakete schnürst und Badelatschen verschickst

Diese beiden Bastelbücher sind zwar bereits breit bekannt, aber sie sind so hilfreich, dass ich sie hier trotzdem bewerben möchte.

Beide Bücher erleichtern mir die Kursleitung erheblich: Sie sind Selbstläufer. Um ein bis zwei Stunden für die Kinder spannend und für mich entspannt zu gestalten (Letzte Stunde vor den Sommerferien! Weihnachtsbasteleien!), genügt es, Papier, Stifte, Klebstoff und ein Bastelbuch auf den Tisch zu legen. Der Rest ist purer Spaß.

Im Pop-Up-Buch stellt Antje von Stemm sehr nachvollziehbar klassische Techniken vor. Dazu gibt es schöne Fotos von Kunstwerken, die Mut machen und inspirieren. Kinder ab der 3. Klasse können die Anleitungen teilweise selbst abarbeiten, Hilfestellung muss natürlich gegeben werden. Haben die Kinder eine Technik verstanden, macht es ihnen großen Spaß, sie kreativ anzuwenden. Eine Altersbeschränkung nach oben gibt es nicht! Die fertigen Pop-Ups verwenden wir, um selbstgestaltete Bücher zu illustrieren, Grußkarten zu basteln, Geschichten zu erzählen (Riesen-Pop-Up!) oder einfach nur, um Spaß zu haben.

Das Brief-Buch eignet sich, um Kindern das Briefeschreiben näher zu bringen. Hier finden sich viele witzige und ungewöhnliche Ideen, die die Kinder gern nachmachen. Sie lassen sich so dazu anregen, Briefe zu schreiben. Pädagogische Inhalte lassen sich darin sehr gut verstecken.

 

 

642 Things to write about. Young Writer's Edition

Erschienen 2014 bei Chronicle Books, USA - nicht auf Deutsch erschienen!

Es ist schade, dass dieses Buch bisher nicht in das Deutsche übertragen wurde, aber zum Glück nicht schlimm - Englisch können wir ja alle. Das Buch folgt einem sehr simplen Prinzip und ist geradezu billig aufgemacht: Wie in einem Notizbuch hat jede Seite Linien oder weiße Flächen, darüber stehen in einer Schreibmaschinentypographie einfache Anregungen für Geschichten, Gedichte oder lose Gedanken. Sie sind von einem Kollektiv zusammengetragen und entsprechend vielfältig. Manche eröffnen eine Geschichte, die es fortzusetzen gilt, andere stellen ein Setting her oder eine Regel für ein Gedicht auf. Wieder andere stellen eine Frage, die es zu beantworten gilt. Die insgesamt 642 Aufgaben lassen sich in loser Folge durcharbeiten.

Kinder reagieren auf dieses Buch sehr angeregt und greifen sich selbständig Aufgaben heraus, die sie bearbeiten wollen. Ich nutze für Kurse, in denen die Kinder noch kein Englisch sprechen, einfach eine selbstübersetzte Auswahl, die ich durch eigene Ideen ergänze. Man kann durchaus aber auch der ganzen Gruppe eine gemeinsame Aufgabe stellen oder sie abwandeln. Das Werk ist eine hilfreiche Inspitationsquelle.

 

 

Katarina Kuick und Ylva Karlsson:

Schreib! Schreib! Schreib!

Die kreative Textwerkstatt.
Erschienen 2018 bei Beltz & Gelberg und völlig zu Recht nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis

Dieses Buch richtet sich direkt an Jugendliche, die gern schreiben und ist daher in meinem Besitz etwas deplaziert. Ich nutze es selten zur Vorbereitung, weil es in eher loser Folge wild durcheinander Ideen, Schreibanlässe und -anleitungen, Theorie und Einblicke in Dichterwerkstätten präsentiert. Das alles ist sehr ansprechend aufgemacht mit Collage-Illustrationen und wechselnder Typographie. Es ist eines der Bücher, die sofort in die Hand genommen und durchgeblättert werden, wenn ich sie auf den Tisch lege.

Genau dafür nutze ich es auch: Um Schülerinnen zu beschäftigen, die ihrer Gruppe voraus sind oder keine Inspiration oder Lust mitgebracht haben. In diesen Fällen genügt es, ihnen allein oder zu zweit das Buch in die Hand zu drücken und sie machen zu lassen. Meist entwickelt sich daraus ein Spiel für die ganze Gruppe. Einige haben sich das Buch auch bereits privat angeschafft und ich vertraue darauf, dass die Theorie-Teile ganz von selbst ihren Weg in die klugen Köpfe finden.

Ich selbst nutze es übrigens auch, wenn ich gerade keine Idee habe ...

 

   

Lyrik-Sammlungen

Lyrik für Kinder und Erwachsene

Ob man Lyrik im Allgemeinen mag oder eher nicht, ist bei den folgenden Bänden eigentlich wurscht. Es fängt nämlich schon mit dem griffigen, weichen Papier an, geht über die Handlichkeit der Bände, die angenehm schwer in der Hand liegen und ihre vielversprechenden Titel. Als ich "Wo kommen die Worte her?" oder "Mal deine Wünsche in den Himmel" im Buchladen entdeckt hatte, wollte ich diese Bücher besitzen.

Beide Bände sind liebevoll illustrierte Lyriksammlungen, die sich an Kinder und ihre Eltern richten, aber natürlich auch für kinderlose Erwachsene interessant sind, die sich noch eine Spur von Neugier und Sprachlust bewahrt haben.

 

 

Hans-Joachim Gelberg:

Wo kommen die Worte her?

Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene
Erschienen 2011 bei Beltz & Gelberg

"Wo kommen die Worte her? Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene. Gedichte und Bilder aller Art" ist die gefühlt tausendste Anthologie von Hans-Joachim Gelberg, der verschiedene jüngere und ältere Gedichte und Illustrationen zusammengestellt hat.

Die Ordnungsprinzipien habe ich nicht komplett verstanden, so gibt es Kapitel wie "Was ich mit Worten machen kann", in denen Wortspielgedichte präsentiert werden oder Kapitel wie "Erzähl noch was, los, fang schon an", in der lyrisch verpackte Geschichten geboten werden.
Bei anderen Kapitel konnte ich nicht erkennen, worin die Gemeinsamkeit der Gedichte und Bilder besteht. Das macht aber nichts, denn ein Lyrikband will eigentlich nicht von vorn nach hinten durchgearbeitet werden. Das Buch steht seit dem schicksalhaften Tag im Buchladen auf meinem Schreibtisch, ich nehme es immer wieder in die Hand, stöbere, lasse mich überaschen, schmökere. Wenn ich Gedichte zu einem bestimmten Thema brauche, blättere ich nolens volens jede einzelne Seite um. Dafür finde ich dann immer wieder Bilder und Texte, die ich gar nicht gesucht habe.

In der Praxis hat sich die Auswahl der Gedichte und Illustrationen bereits mehrfach als wirklich kindgerecht bewährt und eignet sich, um Kinder zu verführen. So greife ich abends gern mal zu diesem Buch, wenn ich schnell was Kurzes zum Einschlafen vorlesen möchte. Ich schlage einfach irgendeine Seite auf, blättere etwas und lese vor. Oft erwische ich die Kinder dann später noch bei Licht, sich Gedichte vorlesend ...

Mindestens ein weiterer, empfehlenswerter Titel von Gelberg: Überall und neben dir - Gedichte für Kinder (1986/89)

 

 

Christine Knödler:

Mal deine Wünsche in den Himmel

Kunst und Gedichte für Kinder und Erwachsene
Erschienen 2012 bei Prestel

Nach einem etwas anderen Prinzip funktioniert "Mal deine Wünsche in den Himmel. Kunst und Gedichte für Kinder und Erwachsene"
von Christine Knödler. Sie verfolgt die geniale Idee, Gedichte und bekannte Gemälde oder Kunstwerke auf Doppelseiten zu kombinieren.
So findet man dann logische Kombinationen wie Dürers alte Mutter und dazu Tucholskys Gedicht "Mutterns Hände" (ja, die Hände von Dürers Mutter hätten auch gepasst). Christine Knödler beschränkt sich aber nicht auf Bekanntes, sondern wählt quer durch die - soweit ich das beurteilen kann - deutschsprachige Literatur und die internationale Kunstgeschichte anregende Gedichte und schöne, wirklich schöne, spannende Bilder.
Die Kapitel sind hier nachvollziehbar gewählt, wie "Du & Ich" oder "Nah & Fern", trotzdem wollen sich Bilder und Texte nicht immer widerspruchslos in die Schubladen quetschen lassen. Macht aber nichts, denn das Blättern macht Spaß und regt an: zu lesen, zu gucken, zu schreiben.


 

Uwe-Michael Gutzschhahn und Sabine Wilharm:

Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her.

Das dicke Buch vom Nonsens-Reim
Erschienen 2015 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag

Dieses Buch sehe ich etwas zwiespältig: mir gefällt die betont schlichte Aufmachung mit den zweifarbigen Illustrationen und der konservativen Schriftart (Alles in serifenloser Schrift, basta!) Die Gedichte gefallen mir auch und ich blättere gern darin.

Seltsamerweise habe ich aber noch kein Kind gefunden, dass sich für die Nonsens-Reime hätte erwärmen können. Dabei sind etliche Klassiker und Neues schön versammelt. Anscheind sind heutige Kinder so durchoptimiert, dass sie keine Lust auf Blödsinn haben. Schade.

 

 

Marcel Reich-Ranitzki:

Die besten deutschen Gedichte

Erschienen 2012 im Insel-Verlag

Reich-Ranitzki hat seine Lieblingsgedichte kenntnisreich ausgewählt und dabei die deutschsprachige Literatur vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart abgedeckt. Man findet hier etliche bekannte Gedichte und einige unbekannte. Das Werk eignet sich also hervorragend für einen Überblick und das Eintauchen in die Lyrik. Es sollte in keinem Bücherschrank fehlen!

 

   

Über Lyrik

Robert Gernhardt:

Was ein Gedicht alles kann: Alles.

Texte zur Poetik
Erschienen 2012 im S. Fischer-Verlag

Dieser preiswerte Band (um die zehn Euro für einen dicken Schinken im Taschenbuchformat) versammelt alle Texte von Robert Gernhardt zur Lyrik. Er beginnt mit der überaus lesenswerten Frankfurter Poetologie-Vorlesung, in der Gernhardt kurz und bündig verschiedene Wirkmechanismen von Lyrik erklärt. Danach folgen kurze Texte, teils Reden, teils Zeitungsbeiträge, zu einzelnen Gedichten oder Autoren.
Gernhardts Sachprosa liest sich flüssig und amüsant, er zitiert gekonnt aussagekräftige Verse, bewertet fair und nachvollziehbar und stets aus der Perspektive des Dichters. Dadurch gewährt der Band eine schöne Einsicht in die Werkstatt eines Dichters.

Die Sammlung eignet sich für Pädagoginnen zur Vorbereitung, für interessierte Leser zum Zeitvertreib und (in Auszügen) für talentierte junge Leserinnen und Schreiberinnen als Anregung und Unterrichtsmaterial.

 

   

Märchen-Sammlungen

Philip Pullman:

Grimms Märchen

Erschienen 2013 im Aladin-Verlag

Die Grimmschen Märchen sind im Original schön zu lesen, jedoch für Kinder, die das Vorlesen oder die deutsche Sprache nicht gewöhnt sind, manchmal schwierig verständlich. Da ist es gut, dass Pullman die Grimmschen Märchen neu erzählt hat. Er hat sich dabei nicht darauf beschränkt, die Märchen in eine schlichte, zeitlose Sprache zu überführen, die für heutige Kinder gut verständlich ist, sondern sich auch mit dem europäischen Hintergrund der Märchen beschäftigt. Bei einigen nahm er sich die Freiheit, umzuändern, wo er mit den Editionsentscheidungen der Grimms nicht einverstanden ist. So wird für die interessierte Leserschaft deutlich, dass auch die Grimms frei mit ihren Vorlagen umgegangen sind, und Bezüge zu französischen Vorbildern oder anderen europäischen Märchentypen werden deutlich. Leider fehlen einige Klassiker wie Frau Holle, daher kann es nur eine Ergänzung zum Klassiker sein.

 

 

Jan Vápenik (Übersetzer):

Das Mädchen aus dem Apfelbaum

und andere Märchen und Geschichten über alles, was da grünt und blüht
Erschienen 1976

Der tschechische Artia-Verlag hat in diesem Band allerhand Naturmärchen aus aller Welt versammelt. Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich, aber der Aufwand lohnt sich für alle, die mit Kindern der Grundstufe Märchen zur Natur schreiben möchten und dafür Anregungen suchen. Natürlich kann man die Märchen auch einfach nur lesen und genießen ...

Als Ergänzung zum Band empfehle ich die ebenfalls nur antiquarisch erhältliche LP "Petrea und die Blütenkaiserin" (Hg. von Litera). Dort wurden einige der Märchen als qualitativ herausragende Hörspiele umgesetzt. Unter www.regional-erzgebirge.de kann man günstig diese und andere vorhandene LP als CD nachbestellen.

   

Bilderbücher

Jährlich erscheinen fantastische Bilderbücher mit guten Texten und ansprechenden, künstlerisch variierenden Illustrationen. Einige davon eignen sich für den Sprach- und Schreibunterricht.

 

 

Stefanie Urbach und Jens Bonnke:

Flugsaurier = Gaulfriseur.

Tierische Anagramme
Erschienen 2011 bei Hinstorf

Anagramme sind ein Klassiker der Sprachspielerei, bei dem alle Buchstaben eines Wortes oder Namens umgestellt werden, bis sie ein oder mehrere neue sinnvolle Wörter ergeben. Vorgestellt werden sie auch in der Sprachspielwiese und den Dampfenden Pferden, so zum Beispiel als Besuchskartenrätsel, bei dem aus dem Namen einer Person ihr Beruf geraten werden muss.

In diesem Bilderbuch werden also aus Tiernamen Anagramme gebildet. Herrlich illustriert sind sie von Jens Bonnke, der den manchmal seltsamen Anagrammen immer einen Sinn zu verleihen weiß.

Viel machen muss man mit diesem Buch nicht: Es genügt, es gemeinsam zu lesen, dann festes Papier auszuteilen und die Gruppe dem fröhlichen Spiel zu überlassen.

 

 

Günther Jakob:

ABC der wilden Piraten.

Erschienen 2015 bei Carlsen

Jakob nutzt die Alliteration, um mit viel Spaß und Witz einmal durch das ABC zu marschieren. Zu jedem Buchstaben finden sich mehr oder weniger sinnvolle Sätze, die lustig illustriert sind. Besonders großen Spaß macht das Buch, wenn es möglichst schnell vorgelesen wird. Es eignet sich, um in die Kunst der Alliteration einzusteigen, allerdings werden eher jüngere Kinder im Grundschulalter davon angesprochen.

 

 

Nadia Budde:

Trauriger Tiger toastet Tomaten. Ein ABC.

Geht es um Alliterationen, ist auch das Bilderbuch von Nadia Budde eine gute Hilfestellung im Kurs. Für jeden Buchstaben des Alphabets hat sie einen witzigen Satz und eine Illustration gefunden, die oft eine absurde Komik entfaltet. Das Buch richtet sich ungefähr an Kinder im Grundschulalter und ist in vielen Schreibschulen bereits fest in den Lehrplan integriert.

Ebenfalls empfehlenswert: Eins zwei drei Tier und Eins zwei drei Vampir von Nadia Budde, in denen seltsame Reimereien Spaß an Lyrik wecken.

 

 

Isabel Große Holtforth:

Gudrun das Truthuhn und andere tierische Zungenbrecher

Erschienen 2010 im Thienemann-Verlag

"Gudrun das Truthuhn tut gut ruhn/
Gut ruhn tut Gudrun das Truthuhn"
ist mein liebster Zungenbrecher aus diesem Buch, aber die anderen sind es auch wert, gelesen wzu werden. Insgesamt ist das Werk eher dünn und enthält trotz des Großformates nicht viele Zungenbrecher. Es ist kein Nachschlagewerk, sondern eine eine Anregung. Zum Reinschnuppern und gemeinsamen Lesen erfüllt es seinen Zweck.

Wofür braucht man im Schreibkurs ein Zungenbrecherbuch?
- Um Spaß beim Vorlesen zu haben
- Um Sprachprinzipien wie Gleichklang und Alliteration zu besprechen
- Als Anregung für eigene absurde Zungenbrecher

 

 

Carson Ellis:

Wazn Teez?

Erschienen 2018 im Nord-Süd-Verlag und nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis

Meine ausführliche Besprechung erscheint demnächst bei KinderundJugendmedien.de.

In einer äußerst gelungenen Übersetzung von Jess Jochimsen und Anja Schöne liegt mein Buch des Jahres 2018 vor. In einer Fantasiesprache wird comicartig das Abenteuer eines Sommers im Insektenreich erzählt.

Ich habe das Buch bereits erfolgreich genutzt, um altersgemischte Gruppen zum Verfassen von Dialogen in Fantasiesprachen zu animieren, inklusive selbstgemalter Comics. Mehr muss ich nicht sagen als: Kaufen!

 

 

Pamela Butchart und Marc Boutavant:

Niemals wilde Katzen kitzeln!

Erschienen 2018 bei Reprodukt

Meine ausführliche Besprechung erscheint demnächst bei KinderundJugendmedien.de.

Der Comic-Verlag Reprodukt ist eine sehr gute Adresse für ausgezeichnete Kinder-Comics. Dieses Bilderbuch nutzt viele sprachliche Mittel wie Alliterationen, Reime und Assonanzen und erzählt eine schöne, witzige Geschichte. Es eignet sich gut bis hinauf zur Mittelstufe (oder höher), um mit Kindern über sprachliche Mittel zu sprechen und diese nachzuahmen.

Außerdem ist es ein schöner Schmöker. Sehr empfehlenswert!

 

   

Über Fabelwesen

Janina Drostel:

Einhorn / Drache / Basilisk.

Fabelhafte Fabelwesen

Drostel widmet sich den Fabelwesen als Kulturwissenschaftlerin. Sachlich und interessiert beschreibt sie daher nicht nur das Fabelwesen, sondern auch seinen kulturellen, literarischen und psychologischen Hintergrund. Dafür hat sie viele schöne historische Illustrationen und Textstellen ausgewählt, die sich eignen, um den Fabelwesen nachzusteigen. Das Werk eignet sich hervorragend, wenn Fabelwesen und Mythen für Texte adaptiert werden sollen und dabei auch ihre Essenz herausgearbeitet werden soll!

 

 

Harald Gebhard und Mario Ludwig:

Von Drachen, Yetis und Vampiren.

Fabeltieren auf der Spur.

Einen anderen Weg beschreiten Gebhard und Ludwig. Sie interessieren sich weniger für die kulturpyschologischen, als eher für die biologischen Ursprünge der Fabelwesen. So arbeiten sie heraus, welche Originale den Fabelwesen Pate gestanden haben könnten, in welchen Biotopen sie zu finden wären und wie genau sie aussehen. Dieser Band eignet sich hervorragend, um jüngere AutorInnen spielerisch an Sachtexte und Fabelwesen heranzuführen und sie zum Schreiben von Fantasie-Tierleben anzuregen.

 

   

Spiele

Last Letter

Der Wortspielklassiker in neuem Gewand!

Bietet 61 illustrierte großformatige Spielkarten (A6), die spannend und anregend illustriert sind. Man kann das Spiel benutzen, um damit " Wörterkette" (SanD - DeckE - EngeL) mithilfe von Bildern, auf denen die genannten Wörter abgebildet sein müssen, zu spielen. Das kommt in allen Altersgruppen und Lernniveaus sehr gut an. Anschließend können die fantastischen Illustrationen als Anregungen für Schreibtexte dienen. Eine sehr gute Investition für den Spielekoffer!

 

 

Geschichten-Erfinder

Kartenspielerei für Kreative Köpfe

Die Büchergilde hat das altbekannte Spiel mit den Figuren und Orten, die man auf Zettelchen krakelt, auf ein schickes Level gehoben. In den Kategorien Plot, Protagonist, Setting und Special findet man etliche Begriffe und auf jeder Karte eine nette Bleistift-Illustration, die zum Schreiben anregt. Dass die Figuren Trenchcoats der 50er Jahre tragen und in alte Bakelit-Telephone sprechen, macht die Karten interessant und ästhetisch ansprechend.

 

 

Es war einmal ...

Das Geschichtenerzähler-Kartenspiel

Auch dieses Spiel versammelt Karten nach einem Ordnungsprinzip: Es gibt Karten zu Ereignisse, Charakteren, Eigenschaften, Orten, Gegenständen und Ereignissen - jedoch alle zum Märchen passend. Zusätzlich enthält die Schachtel noch einen Stapel Karten, auf denen klassischen Märchen-Enden versammelt sind. So ließen sich die Märchen schon reihum erzählen, aber damit es nicht zu einfach wird, liegt noch ein umfangreiches Regelwerk bei. Einige Karten sind als "Unterbrechungen" gekennzeichnet, mit denen SpielerInnen unterbrochen werden dürfen und es gibt auch einige andere Regeln.

Die Regeln sind uns oft jedoch zu kompliziert und wir spielen das Spiel einfach, in dem wir reihum erzählen und uns eigene Enden ausdenken. So ist das Spiel auch gedacht: Im Zentrum steht die schöne gemeinsam erzählte Geschichte. Die Karten sind märchenhaft illustriert und regen durch ihre Fülle und Vielfalt zum Erzählen an. Natürlich kann man auch die Regeln streng anwenden, oder die Karten zum stillen Schreiben verwenden - es ist alles offen. Auch dieses Spiel ist bei Gruppen jeden Alters (in der Variante mit einfachen Regeln) sehr beliebt, erfordert jedoch eine gewisse Disziplin, damit das Erzählen allen Spaß macht.

 

 

Andrea Baron:

Sagenhafte Kreaturen.

Ein Fragespiel.

Dieses Spiel ist eine Besonderheit in meiner Sammlung. Es ist ebenfalls bei der Büchergilde erschienen und sehr hochwertig. In einem A5-Schuber stecken nämlich ein Taschenbuch und die Quiz-Karten, die auf festes, griffiges Papier in 8 Farben gedruckt sind. Die Illustrationen von Anna Gusella sind nämlich aufregende, im Collagestil (deswegen nur 8 Farben) gestaltete Darstellungen der Fabelwesen. Allein die Bilder sind anregend und provozieren Fragen und Geschichten. Sie sind durch die groben Linien und die grellen Farben oft gewaltvoll oder beängstigend - was gut zu den Mythen und Sagen passt. Die Bilder verharmlosen nichts.

Auf der Rückseite jeder Karte findet sich eine Multiple-Choice-Frage zu jenem Wesen. Da die Wesen nicht nur der griechischen Mythologie, sondern Mythen rund um den Erdball entnommen sind, ist das beigelegte Taschenbuch ein unverzichtbarer Begleiter. Es erläutert jede Figur auf etwa drei Seiten, erzählt kurz den Mythos und geht auch auf Interpretationen oder kulturelle Hintergründe ein.

Alle Wesen haben gemeinsam, dass sie Mischwesen oder tierische Fabelwesen sind. Daher lässt sich der Quiz auch hervorragend als thematischer Einstieg verwenden. Es ist in seiner Komplexität allerdings eher für ältere Gruppen geeignet, die gern tief einsteigen. Soll das Spiel auf der Oberfläche bleiben, kann man auch die Bilder verwenden, um einzelne Fabelwesen vorzustellen und als Schreibanlässe zu präsentieren.